Soziales Engagement

Wir fördern TRANSVIDERA e.V. (Verein zur Unterstützung und Vernetzung von Selbsthilfe in der Medizin e.V. ) unterstützt medizinische Wissensvermittlung, indem ehrenamtlich erstellte Informationsangebote von Selbsthilfegruppen und ähnlichen Einrichtungen  ins Türkische übersetzt werden. Diese Übersetzungen machen türkischsprachigen Betroffenen und ihren Angehörigen medizinisches Fachwissen zugänglich. Sie dienen darüber hinaus als Handreichung für medizinisches Fachpersonal  sowohl in Deutschland als auch in der Türkei dienen. 

Ein Projekt von Transvidera e.V.

Wenn die Bilder sich verabschieden 

Schätzungsweise 40 000 Menschen in der Türkei leiden an einer unheilbaren Netzhautdegeneration. Im Laufe ihres Lebens verlieren sie ihr Gesichtsfleld und ihre Sehkraft. Langsam verabschieden sich die Bilder in ihrem Kopf. Zuerst übersieht man ein Loch oder eine Absperrung auf der Straße. Man stolpert über einen Stuhl im Weg oder übersieht die ausgestreckte Hand zur Begrüßung. Autofahren darf man nicht, Radfahren sollte man nicht. Als Fußgänger ist man im Straßenverkehr verloren. Für viele Berufe ist man mit dieser Behinderung nicht geeignet, oftmals wird man Frührentner und am Ende steht die Dunkelheit. Man wird blind. 

       

Bereis vor 40 Jahren haben sich  in Deutschland Betroffene, die an dieser unheilbaren Krankheit leiden, und ihre Angehörigen zu eine Selbsthilfeverein zusammengeschlossen und setzen sich seither dafür ein, die Forschung voranzubringen und die Öffentlichkeit über Netzhautdegeneratioen aufzuklären, damit man die Belange und Bedürfnisse dieser Menschen besser versteht und berücksichtigen kann. 

Leider fehlt Betroffenen in der Türkei ein solcher Rückhalt, weshalb sich Studierende am Institut für Übersetzen und Dolmetschen an der Universität Mersin daran gemacht haben, Informationsbroschüren zu diesen seltenen Retinaerkrankungen zu übersetzen, um Betroffenen in der Türkei mehr Informationen über ihre Krankheit und Hilfsmittel zukommen zu lassen. Dieses Übersetzungsprojekt mündete am 30.03.2018 in eine Konferenz an der Universität Mersin, auf der die bisherigen Ergebnisse vorgestellt wurden. 

Die Informationssuche von Mert Şahin, der an Retinitis Pigmentosa leidet und  heute bei TRT in Mersin arbeitet, war der Auslöser dafür, dass Studierende ihre Kompetenzen in beiden Sprachen Menschen wie ihm zur Verfügung stellen wollten. Ihr Engagement brachte sie in den Fachsprachenbereich Medizin, der höchste Anfordungen an ÜbersetzerInnen und DolmetscherInnen stellt. Die offenen Fragen wurden von Experten aus dem Bereich Allgemeinmedizin, Ophthalmologie und Genetik beantwortet. Besonders das Mersiner Şehir Hastane zeigte sich engagiert und Herr Dr. Birol Durukan  unterstützte mit seinem Vortrag auf der Konferenz das Anliegen der jungen Studierenden, Patienten Wissen an die Hand zu geben und ihnen auf diesem Weg zu ermöglichen, ÄrztInnen auf Auıgenhöhe zu begegnen. Dr. Mehmet Şirin Türkoğlu, ebenfalls vom Şehir Hastane stellte dankenswerterweise als Augenarzt sein Wisen zur Verfügung. Die Mikrobiologin Prof. Yasemin Kaçar stand dem gesamten Übersetzungsteam zur Seite, wenn es um Fragen der Genetik ging. 

Mit diesen Synergien ausgestattet und mit der Unterstützung von Absolventen des Instituts für Übersetzen und Dolmetschen  wie Herrn Oğuzhan Acıçı gelang es, Broschüren druckreif zu übersetzen und zu zeigen, dass aus den Arbeiten von Studierenden Großes werden kann, wenn man das Engagement junger Menschen ernst nimmt und ihnen Türen öffnet und Wege weist. 

Die Konferenz fand nicht nur an der Universität Mersin großes Echo. TRT Mersin gab der Projektgruppe unter der Leitung von Frau Maren Schwerger und Frau Sibylla Wolfgarten (Universität Bonn) Sendezeit, um ihr Projekt, die Konferenz und ihre Ergebnisse vorzustllen. Alle hegen die berechtigte Hoffnung, dass diese Art der Verknüpfung von Wissenschaft und Lehre, aber auch von Leben innerhalb und außerhalb der Universität dazu beiträgt, das Leben spannender und lebenswerter zu gestalten. 

Cui bono? hatten die Veranstalterinnen ihre Konferenz überschrieben. Das bedeutet so viel wie: Wem nützt es? Mit dieser Frage sollte unterstrichen werden, dass gerade die Universitäten sich immer wieder fragen lassen müssen, welchen Sinn in ihrer Forschung und in ihrer Lehre liegt. Dieses Projekt und die daraus folgende Konferenz gibt die Antwort, denn nun liegen Broschüren zu Netzhautdegenerationen auf Türkisch vor und  türkischsprachige Betroffene in Deutschland wie in der Türkei wurde damit Wissen zugänglich gemacht. Außerdem  dürften diese Broschüren Menschen in der Türkei Mut machen, ihre Krankheiten selbst in die Hand zu nehmen, Wissen eigenständig zu sammeln und aufzubereiten und somit die Grundlage zu schaffen, eigene Interessen in der Medizin und in der Politik zu vertreten. 

Dazu haben junge Studierende beigetragen, die bei dieser Konferenz auf dem Podium saßen und ihre Ergebnisse vortrugen. Ali İkiz, Sacide Bozkurt und Birol Mersan haben schon als Studierende Dinge bewegt, man wünscht sich, dass sie ihren akademischen Weg unbeirrt fortsetzen können. 

 

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